über die ausstellung

Eine Stadt. Ein Tag. Zwei Länder. Schatten und Licht. Dort und hier. Auswirkungen der Vergangenheit auf die Zukunft. Einfluss von Geschehnissen, Erfahrungen, Erinnerungen und tiefster eigener Gefühle auf Taten. Grenzüberschreitung dessen, was als sorgloses, bequemes Leben definiert wurde. Von Gesellschaft, Kultur, von der eigenen Identität. Einhalten dieser Grenzen in der Öffentlichkeit, einzuhalten gegenüber sich selbst. Dann: Konfrontation und Widersprüchlichkeit. Zerrissenheit, Emotion, Konzentration.
Grenzgang.


In ihrem aktuellen Projekt beschäftigt sich die Fotodesignerin Sandra Jacques mit dem Thema Grenzen. Im Mittelpunkt stehen Gefühle, ein Objekt, eine Kamera, ein Mensch: die Fotografin und später der Betrachter selbst. Jedes dieser Elemente führt Sandra Jacques auf der Erkundungstour durch Strasbourg an Grenzen, die sich hin und wieder überschneiden oder die – ohne Verlust von Respekt – überschritten werden.


Optische Einheitlichkeit und ästhetische Darstellung werden der Thematik der Serie und des einzelnen Bildes gegenübergestellt. Ziel ist nicht, Dekoratives abzubilden, sondern das Experiment zu wagen und die technischen Möglichkeiten der Kamera auszureizen. Bewegung spielt dabei eine tragende Rolle. Sandra Jacques nutzt die Flexibilität ihrer Kamera und des Equipments, um klassisch ästhetisch definierte Konventionen von Bildaufbau und Farbe aufzuheben – mit Auswirkungen auf die Bildaussage.


Für die Entstehung der Serie begibt sich Sandra Jacques an die Grenze ihrer eigenen Gefühle. Sie reist in ein anderes Land, überschreitet eine geographische Grenze und begibt sich gleichzeitig in eine Situation von biographischer Bedeutsamkeit. In ihrem ganz persönlichen Grenzgang konfrontiert sie ihre Kindheitserinnerungen mit der eigenen, geprägten Identität, die sich hier neu sortiert. Viele Motive die Sandra Jacques fotografisch festhält spiegeln menschliches Handeln und Fühlen in grenzwertigen Situationen wider. Sei es in physischer Hinsicht durch die Darstellung körperlicher Verausgabung, oder auf gedanklicher Ebene, wenn der Betrachter durch Investition eigener Emotionen die Geschichte der Motive und deren Doppeldeutigkeit für sich entdeckt.


Sandra Jacques schafft in ihrer Doppelrolle als Fotodesignerin und Grenzgängerin Perspektivenwechsel gewöhnlicher Sichtweisen und sensibilisiert den Betrachter für eine weitere, eine konstant vorhandene andere Seite.


Nicht zuletzt führt der Weg hin zum Betrachter entlang einer Grenzlinie: Macht seine eigene Intuition die jeweils andere Seite des Bilder sichtbar? Sieht er mehr, als man offensichtlich sieht? Was wird ihm zugemutet? Fühlt er sich überfordert? Wer trägt die Verantwortung dafür?


Bei allen Fragen und Widersprüchen bleibt den Bildern eine Gemeinsamkeit: ein Tag, das Entstehungsdatum. In ihrer vielfältigen thematischen und optischen Zusammensetzung werden sie gleichberechtigt in der Ausstellung gezeigt.


Grenzen schaffen Verbindungen.

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